Historisches zu Gut Hebscheid

Hebscheid war ein mittelalterlicher Wehrhof und darüber hinaus Landsitz adeliger Familien aus Aachen. In historischer Zeit wurde der Wohnturm als Weiherhaus mit Ökonomie erbaut. Laut Überlieferung diente der Schornstein des Hauses von alters her als Grenzmarke zwischen den Territorien der Herzogtümer Limburg und Jülich sowie der Reichsabtei Kornelimünster. 

Hebscheid war allerdings mehr als ein landwirtschaftlicher Betrieb. In Berichten aus vergangenen Zeiten wird das Haus als Château-ferme bezeichnet. Bis zur französischen Revolution diente das Herrenhaus den adeligen Eigentümern aus Aachen als Sommersitz. Unter französischer Herrschaft wurde diese alte Elite enteignet und ihre Besitzungen versteigert. Die Erlöse führte Kaiser Napoleon der Finanzierung seiner Kriege zu. Käufer der enteigne-ten Güter war die neue Elite der frühindustriellen Zeit – die bürgerlichen Besitzer von Ma-nufakturen und Fabriken in der Region. 

Erstmals urkundlich genannt wird Hebscheid um 1391 in einem Schöffenprotokoll der Hochbank Walhorn im Herzogtum Limburg. Jedoch lässt manches auf ein höheres Alter des Hofes schließen - unter anderem ist es der Name, der auf eine frühe Gründung hinweist. In der Zeit der großen Rodungen im 12./13. Jh. entstehen linksrheinisch zahlreiche Ansiedlungen mit der Silbe ...scheid im Namen – ein altes Wort in der Bedeutung von Wald. Wohl an die 20 Generationen – Herren und Bauern - haben auf Hebscheid gelebt und gearbeitet. 

Im Volksmund hieß Hebscheid de Vlattekull – ein Name, der sich von der Tatsache ableitet, dass an den Teichen, die den Hof umgaben, die eigenen Tiere wie auch die aus dem Dorf getränkt wurden. Natürlich ließen sie dabei ihre Fladen – Vlat-ten – zurück, was dem Anwesen sicherlich ein gepflegtes Äußeres gab.

Diese Zeiten sind vorüber – mit Beginn diesen Jahrhunderts zog Via auf den Hof. Hebscheid dient jetzt der Rehabilitation von Menschen mit Behinderung. Hier ist ausreichend Raum für eine Ausweitung der Projekte: Rehabilitation von psychisch betroffenen Menschen, gemeinsames Wohnen und Arbeiten. In den Arbeitsbereichen ökologischer Gartenbau und Tierhaltung, Gastronomie und Tagungsservice entstehen neue sozialversicherungs-pflichtige Arbeitsplätze.

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